TUW Heroes – Trends up west 2026
Frohstoff
„Die Poesie des Alltags…“
Interview mit Meike Marie Buchholz und Jörg Vogt
Was für ein Glück, dass Meike Marie Buchholz und Jörg Vogt nicht nur privat ein Paar geworden sind, sondern vor fast 25 Jahren auch gemeinsam den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben.
Seitdem entstehen in ihrer Hamburger Frohstoff-Manufaktur farbenfrohe Heimtextilien, die man auf den ersten Blick erkennt. Mit Liebe zum Detail, traditionellem Siebdruck und einer unverwechselbaren gestalterischen Handschrift zeigen sie, wie sich Handwerk, Design und Unternehmertum gekonnt ausbalancieren lassen.
Für die TUW Heroes haben wir die beiden in ihrer Werkstatt in der Hamburger Wexstraße besucht und mit ihnen über Farbe, Inspiration, Nachhaltigkeit und die Kunst gesprochen, aus den kleinen Momenten des Alltags dauerhaft Freude zu machen.
Frohstoff-Produkte erkennt man auf den ersten Blick. Warum ist das so?
Jörg Vogt:
Wir haben die gesamte Wertschöpfungskette in der Hand – vom Entwurf bis zum Versand. Produziert wird hier in unserer Manufaktur im traditionellen Siebdruckverfahren. Dabei wird jede Farbe einzeln von Hand auf den Stoff gebracht. Das ist echtes Handwerk und etwas völlig anderes als industrieller Digitaldruck. Genau das verleiht unseren Produkten ihren besonderen Charakter.
Ihr seid mit diesem Handwerk fast schon missionarisch unterwegs.
Meike Marie Buchholz:
Ja, das stimmt. Wir geben auch regelmäßig Workshops und möchten möglichst viele Menschen für den Siebdruck begeistern. Nach fast 25 Jahren sehen wir inzwischen, dass uns das auch gelungen ist. Sogar unsere 14-jährige Tochter ist mittlerweile eine echte Profi-Siebdruckerin. Natürlich gibt es heute auch viele Nachahmer – das finden wir aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht so gut. (lacht) Aber wir haben unsere eigene Handschrift und es bisher immer geschafft, mit neuen Motiven zu begeistern.
Wie hat alles begonnen?
Meike Marie Buchholz:
Ich habe hier in Hamburg Textildesign studiert und bin auch gebürtige Hamburgerin.
Jörg Vogt:
Ich habe in meiner Heimat Paderborn eine Ausbildung zum Designer für Damenoberbekleidung in der Industrie gemacht – Ostwestfalen war historisch ein Zentrum der Textilproduktion. Eigentlich wollte ich anschließend Modedesign studieren. Stattdessen habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Damals habe ich viel aufgelegt und bin so in der Musikbranche und in Hamburg gelandet. Ich habe für Plattenfirmen im Promotion- und Marketingbereich gearbeitet. Das war eine großartige Zeit. Viele Kontakte von damals pflege ich bis heute und auch auf Konzerte gehe ich immer noch sehr gerne.
Also sind bei euch viele Qualifikationen zusammengekommen, die perfekt zusammenpassen. Habt ihr euch zuerst privat oder beruflich kennengelernt?
Meike Marie Buchholz:
Privat, ganz klassisch auf einer Party. Wir waren aber beide in einer Phase der beruflichen Neuorientierung. Nach meinem Studium musste ich überlegen, wie es weitergehen sollte. Meine Professorin, Frau Ulrich, hat mir damals geraten, mich selbstständig zu machen. Ehrlich gesagt war ich zunächst etwas gekränkt, weil sich mich nicht bei einer großen Marke gesehen hat. Heute weiß ich, dass sie eine ausgezeichnete Menschenkenntnis hatte. Jörg und ich haben damals viel überlegt und irgendwann festgestellt: Eigentlich könnten wir doch gemeinsam etwas aufbauen.
Und wie ging es dann los?
Jörg Vogt:
Am Anfang gab es immer wieder ein paar einzelne Aufträge. Dann kam ich eines Tages ganz zufällig mit der Betreiberin des Souvenirgeschäfts Captain’s Cabin an den Landungsbrücken ins Gespräch. Den Laden gibt es heute noch. Sie wollte bewusst außergewöhnliche Produkte verkaufen. Als am nächsten Tag tatsächlich ein Lieferwagen vor unserer Tür stand, haben wir gemerkt: Sie meint es ernst. Das war für uns so etwas wie der Startschuss. Von da an mussten wir eigentlich nie große Werbung machen – es hat sich immer wieder etwas Neues ergeben.
Der Name Frohstoff klingt auch heute noch gut und richtig.
Jörg Vogt:
Damals haben wir lange nach einem Namen gesucht. Das war die Zeit, in der viele von Anglizismen genug hatten. Heute sieht das vielleicht schon wieder etwas anders aus, aber der Name funktioniert für uns nach wie vor sehr gut – auch wenn er im Englischen oder Französischen schwierig auszusprechen ist, aber wir sind nun mal Frohstoff.
Wann habt ihr mit einer eigenen Kollektion begonnen?
Jörg Vogt:
Das war etwa 2005. Anfangs hatten wir viele Modeartikel im Sortiment, aber auch die bedruckten Geschirrtücher. Die wurden uns förmlich aus den Händen gerissen, weil es damals einfach nichts Vergleichbares gab. Daraus ist dann eine Kollektion entstanden.
Gibt es echte Frohstoff-Ikonen?
Jörg Vogt:
Ja, die Flaschenhussen gehören bis heute zu unseren Bestsellern. Bei den Motiven ist der Feldhase sicherlich unser bekanntestes Motiv mit dem größten Wiedererkennungswert. Tiermotive sind ohnehin eine sehr erfolgreiche Serie für uns.
Meike Marie Buchholz:
Das eigentliche Markenzeichen ist für mich aber die Farbe. Sie ist meine große Leidenschaft. Bei Farben bin ich Perfektionistin und kompromisslos.
Jörg Vogt:
Das kann ich bestätigen. (lacht)
Meike Marie Buchholz:
Ich sehe jedes Pigment. Farben sind für mich das Wichtigste überhaupt. Sie können die Stimmung heben, aber auch runterziehen. Sie kommunizieren Haltungen, Lebensweisen und zeigen Charakter.
Welche Farben magst du persönlich am liebsten?
Meike Marie Buchholz:
Grün und Lila.
Was kommt als Nächstes? Was ist angesagt?
Meike Marie Buchholz:
Ehrlich gesagt habe ich im Wettbewerb nie nach links oder rechts geschaut. Trends kommen und gehen. Bei Frohstoff entstehen neue Ideen aus Begegnungen und Entdeckungen – vor allem in der Natur. Das können Blätter sein, die auf der Straße liegen, Farne aus unserem Garten oder die besonderen Lichtstimmungen auf Fuerteventura. Diese Insel lieben wir sehr und wir sind mindestens einmal im Jahr dort. Ich nenne das die Poesie des Alltags. Es sind kleine Fundstücke aus der Natur, aus denen die Motive entstehen. Diese Inspiration bringe ich dann auf den Stoff.
Wisst ihr eigentlich, wie viel gute Laune ihr mit euren Designs verbreitet?
Meike Marie Buchholz:
Ja, das bekommen wir schon mit. Wir sitzen hier mitten im Viertel und bei uns schauen sowohl Anwohner als auch Touristen vorbei. Die Stimmung in der Welt ist derzeit oft bedrückend – zwei Kriege, die Plattformökonomie mit ihren Social-Media-Bubbles, Massenware aus Asien. Außerdem beobachten wir schon länger den Trend hin zu einer immer stärkeren Individualisierung unserer Gesellschaft.
Wenn hier jemand in den Laden kommt und erzählt, dass er sich seit Jahren jeden Tag über eines unserer Geschirrtücher freut, dann ist das für uns ein echter Glücksmoment. Vielleicht ist Frohstoff tatsächlich ein kleines Gegenmittel zu einigen der negativen Megatrends unserer Zeit.
Einmal haben wir gemeinsam mit der Muttergesellschaft von TK Maxx in den USA einen riesigen Auftrag abgewickelt. Das war aus kaufmännischer Sicht eine super Sache, hat unser Unternehmen an seine Grenzen gebracht. Unsere wichtigste Antriebsfeder war aber immer, dass uns die Arbeit Freude macht. Deshalb haben wir 2018 bewusst auf die Bremse getreten und einige Messen gecancelt, wenn Aufwand und Ertrag nicht mehr im Verhältnis standen. Gerade für ein Unternehmen unserer Größe geht es auch um Balance.
Jörg Vogt:
Das gilt auch für das Thema Nachhaltigkeit. Dafür steht zum Beispiel unsere Unique-Kollektion. Hier nehmen wir Fehldrucke als Grundlage und gestalten daraus ganz individuelle Einzelstücke. Jedes Produkt wird so zu einem echten Unikat. Nach meinem ersten Besuch auf der Ambiente habe ich mir geschworen: Wir produzieren keinen Müll und keinen Schrott. Kein Stück.
Eure Manufaktur mit Ladengeschäft in der Wexstraße ist auch etwas ganz Besonderes. Da passiert etwas, wenn man den Laden betritt.
Jörg Vogt:
Ja, die ersten sechs Jahre waren wir in der Bellealliancestraße, auch in einem sehr schönen und lebendigen Viertel. Dann ergab sich aber die Möglichkeit, diesen historischen Kaufmannsladen in der Wexstraße zu übernehmen, weil wir mehr Platz brauchten. Die damalige Betreiberin konnte das Geschäft aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterführen. Das fiel ihr sehr schwer, denn der Laden war eine echte Institution mit einer langen Geschichte. Es gab hier sogar ein Hinterzimmer mit Club-Atmosphäre, in dem große Verlage viele Deals abgeschlossen haben.
Einmal haben wir gemeinsam mit der Muttergesellschaft von TK Maxx in den USA einen riesigen Auftrag abgewickelt. Das war aus kaufmännischer Sicht eine super Sache, hat unser Unternehmen an seine Grenzen gebracht. Unsere wichtigste Antriebsfeder war aber immer, dass uns die Arbeit Freude macht. Deshalb haben wir 2018 bewusst auf die Bremse getreten und einige Messen gecancelt, wenn Aufwand und Ertrag nicht mehr im Verhältnis standen. Gerade für ein Unternehmen unserer Größe geht es auch um Balance.
Wann habt ihr selbst gemerkt, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Meike Marie Buchholz:
Erstaunt waren wir, als Zalando Home unbedingt mit uns zusammenarbeiten wollte – und tatsächlich auf unsere Konditionen eingegangen ist. Zalando hat unsere Marke sicherlich bei vielen Endverbrauchern bekannt gemacht. Später kam auch Etsy dazu. Aber selbst in der Zusammenarbeit mit den großen Playern haben wir es geschafft, unsere Marke nicht zu verwässern und Streichpreise zu verhindern.
Einmal haben wir gemeinsam mit der Muttergesellschaft von TK Maxx in den USA einen riesigen Auftrag abgewickelt. Das war aus kaufmännischer Sicht eine super Sache, hat unser Unternehmen an seine Grenzen gebracht. Unsere wichtigste Antriebsfeder war aber immer, dass uns die Arbeit Freude macht. Deshalb haben wir 2018 bewusst auf die Bremse getreten und einige Messen gecancelt, wenn Aufwand und Ertrag nicht mehr im Verhältnis standen. Gerade für ein Unternehmen unserer Größe geht es auch um Balance.
Ihr habt aber nie konsequent auf Wachstum gesetzt, oder?
Jörg Vogt:
Nein. Dafür hätten wir unsere gesamte Infrastruktur verändern müssen. Es ist schon Herausforderung genug, das Niveau über einen Zeitraum von 25 Jahren zu halten. In jedem Unternehmen gibt es kleinere und größere Krisen zu bewältigen, und natürlich haben auch wir zwischendurch ordentlich geackert.
Einmal haben wir gemeinsam mit der Muttergesellschaft von TK Maxx in den USA einen riesigen Auftrag abgewickelt. Das war aus kaufmännischer Sicht eine super Sache, hat unser Unternehmen an seine Grenzen gebracht. Unsere wichtigste Antriebsfeder war aber immer, dass uns die Arbeit Freude macht. Deshalb haben wir 2018 bewusst auf die Bremse getreten und einige Messen gecancelt, wenn Aufwand und Ertrag nicht mehr im Verhältnis standen. Gerade für ein Unternehmen unserer Größe geht es auch um Balance.
Es ist sicherlich auch ein Erfolgsfaktor, dass ihr euch so gut ergänzt.
Meike Marie Buchholz:
Ja, ich bin eher die Künstlerin.
Jörg Vogt:
Und ich bin eher der Marketingmann. Deshalb liebe ich Messen. Dort kommt für mich alles zusammen: das direkte Erlebnis, schöne Produkte, die Leidenschaft der Menschen – und ein bisschen Party gehört auch dazu.
Die Trends Up West begleitet ihr nahezu seit der ersten Stunde. Was macht diese Messe für euch so besonders?
Jörg Vogt:
Während der Corona-Pandemie wollten wir endlich wieder etwas machen. Damals entstand unter den damaligen Auflagen im Showroom von fleur ami in Tönisvorst eine Initiative von Gleichgesinnten. Diese positive Energie und der starke Zusammenhalt unter den Ausstellern haben die Trends Up West von Anfang an geprägt – und genau dieses besondere Gefühl ist bis heute geblieben.
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Interview mit Meike Marie Buchholz und Jörg Vogt