TUW Heroes – Trendsupwest 2026
Chic.Mic
„Mit Mut und 48 Grußkarten
die Welt verschönern…“
Interview mit Khadem Hossini, Gründer von chic.mic, und seiner Tochter Sarah Hossini, seit 2019 im Unternehmen und heute Prokuristin
48 Grußkarten auf Perlmuttkarton. Das war der Anfang.
Ein kleines Produkt, das in einem thailändischen Dorf eine ganze Gemeinschaft in Bewegung setzte.
Mit dem Antrieb, etwas Schönes in die Welt zu bringen, entwickelt Khadem gemeinsam mit seiner Tochter Sarah neue Ideen, sie streiten manchmal darüber, bis diese perfekt sind – und reisen durch die Welt auf der Suche nach Inspiration.
Ein Gespräch über Mut in schwierigen Zeiten, die Leidenschaft hinter jedem Produkt – und warum ein Einkäufer einmal sagte, Kaffeebecher to Go brauche doch kein Mensch.
Wir designen und vertreiben Produkte für die schönen Momente des Lebens. Das ist unser Antrieb seit dem ersten Tag.
Als Marke konzentrieren wir uns auf drei Dinge: Innovation, Design und Nachhaltigkeit. Für uns dürfen sich Ästhetik und Verantwortung nicht ausschließen. Im Gegenteil: Gute Produkte müssen heute beides vereinen.
Wie kam es zur Gründung von chic.mic?
Khadem Hossini:
Das ist inzwischen 16 Jahre her. Ursprünglich hatte ich mit Druckmaschinen und Druckverarbeitungsmaschinen zu tun und war bereits als Selbstständiger in der Konsumgüterbranche unterwegs. Dadurch war ich regelmäßig auf der Paperworld, wo mich haben immer die Hallen angezogen haben, in denen hochwertige und designorientierte Papeterie- und Geschenkartikel präsentiert wurden. Das hat mich fasziniert.
Damals war der Markt für hochwertige Grußkarten in Deutschland noch deutlich weniger entwickelt als beispielsweise in England oder den USA. Irgendwann verspürte ich den Wunsch, selbst etwas Schönes in die Welt zu bringen. Angefangen hat dann alles mit eienr Kollektion von exakt 48 Glückwunschkarten, hochwertig auf Perlmuttkarton gedruckt. Das war der Startschuss für chic.mic.
Und bei den 48 Karten ist es nicht lange geblieben?
Nein, so war es. Die Papeterie ist bis heute ein wichtiger Grundstein unseres Unternehmens, aber wir haben nach und nach weitere Produktgruppen erschlossen – – Geschirr, Vasen, Kerzen und Kerzenhalter, Heimtextilien, Leuchten, Uhren und noch vieles mehr.
Wir entwickeln uns kontinuierlich zu einer Lifestyle-Marke weiter, die für Individualität, Design und schöne Produkte steht.
Gibt es ein Produkt, das für euch eine ganz besondere Bedeutung hat?
Eigentlich ist jedes Produkt für uns besonders, sonst hätten wir es nie umgesetzt. Denn hinter jeder Idee steckt ein langer Entwicklungsprozess und die Überzeugung, dass daraus etwas Besonderes entstehen kann.
Spannend wird es immer dann, wenn die ersten Muster eintreffen – so wie gerade wieder. Das ist jedes Mal ein bisschen wie Weihnachten, weil man die Produkte zum ersten Mal fertig umgesetzt in den Händen hält.
Manche Produkte haben aber eine ganz besondere Geschichte. Ich erinnere mich noch an die große Eulen-Welle vor einigen Jahren. Heute sind es die Dackel, damals waren es die Eulen.
Wir haben in Thailand einen kleinen Patchwork-Schlüsselanhänger in Form einer Eule entwickelt, den zunächst eine einzelne Frau in einem Dorf herstellen wollte. Das Produkt wurde ein riesiger Erfolg. Als sie uns später Bilder schickte, sahen wir, dass inzwischen das ganze Dorf an der Produktion beteiligt war. Als wir dann einmal vor Ort zu Besuch waren, wurden wir mit offenen Armen empfangen. Das zeigt, wie ein kleiner Artikel manchmal große Wirkung entfalten kann.
Ein anderes Beispiel sind unsere bedruckten Coffee-to-go-Becher. Damit waren wir sehr früh am Markt. Ein Einkäufer einer großen Handelskette sagte damals zu uns: „Was sollen wir damit? Kaffeebecher gibt es doch kostenlos beim Bäcker.“ Am Ende wurde das Produkt ein großer Erfolg und hat unserem Unternehmen einen enormen Schub gegeben.
Gibt es noch ein Produkt, das ihr gerne erfinden möchtet?
Ideen haben wir tatsächlich viele. Deshalb entwickeln wir unser Sortiment ständig weiter. Die Trends Up West 2026 wird zeigen, dass wir uns immer wieder neu erfinden und neue Wege gehen. Mehr darf ich dazu heute aber noch nicht verraten. .
Khadem, du bist als junger Mensch aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Wie sehr hat dir diese internationale Perspektive geholfen?
Ich bin bis zum Abitur im Iran aufgewachsen und anschließend zum Studium ins Ausland gegangen. Später habe ich in Deutschland eine Ausbildung zum Außenhandelskaufmann absolviert. Schon damals habe ich mir gesagt: Was andere schaffen, das kann ich auch. Natürlich war der Weg nicht immer einfach, aber diese Einstellung hat mich geprägt.
International zu denken und zu handeln war für mich schon immer selbstverständlich. Bereits die erste Designerin unserer Grußkarten kam aus England, viele unserer Partner waren und sind international. Der Iran ist historisch eine Handelsnation und über Jahrhunderte hinweg ein Knotenpunkt für Waren, Kulturen und Ideen gewesen. Ich glaube, dieser internationale Blick auf die Welt ist bis heute ein Teil meiner Persönlichkeit.
Treibt dich eher der Handel an oder eher das Produkt?
Der Handel ist die Grundlage. Er sorgt dafür, dass ein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich arbeiten kann. Die Produkte hingegen sind die Leidenschaft.
Über neue Ideen diskutieren wir oft intensiv. Manchmal geht es darum, ob etwas zu kommerziell ist, manchmal darum, ob es vielleicht zu extravagant wirkt oder unseren Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wird. Gerade zwischen Vater und Tochter kann es dabei auch mal emotional werden.
Aber wir sind gleichzeitig ein außergewöhnlich gut eingespieltes Team. Für mich ist es ein großes Privileg, mit meinem Vater zusammenarbeiten zu dürfen. Gemeinsam Zeit zu verbringen, von seinen Erfahrungen zu lernen und zusammen neue Ideen zu entwickeln, ist nicht selbstverständlich.
Auch unsere Reisen machen mir großen Spaß. Dort sammeln wir Inspirationen, entdecken neue Trends und entwickeln daraus Produktideen. Natürlich sind wir dabei nicht allein unterwegs. Hinter chic.mic steht heute ein Team von 17 Mitarbeitenden in Bad Nauheim sowie ein engagierter Außendienst.
Aber wir sind gleichzeitig ein außergewöhnlich gut eingespieltes Team. Für mich ist es ein großes Privileg, mit meinem Vater zusammenarbeiten zu dürfen. Gemeinsam Zeit zu verbringen, von seinen Erfahrungen zu lernen und zusammen neue Ideen zu entwickeln, ist nicht selbstverständlich.
Auch unsere Reisen machen mir großen Spaß. Dort sammeln wir Inspirationen, entdecken neue Trends und entwickeln daraus Produktideen. Natürlich sind wir dabei nicht allein unterwegs. Hinter chic.mic steht heute ein Team von 17 Mitarbeitenden in Bad Nauheim sowie ein engagierter Außendienst.
Wenn du heute zurückblickst: Gibt es etwas, das du anders machen würdest?
Khadem Hossini:
Ich weiß nicht, ob ich grundsätzlich etwas anders machen würde. Vielleicht hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Balance zwischen Wachstum und Struktur gewünscht.
Wenn ein Unternehmen wächst, beansprucht das Wachstum sehr viel Aufmerksamkeit. Da bleibt manchmal weniger Zeit, Prozesse und Organisation gleichermaßen weiterzuentwickeln. Rückblickend sind einige Fehler sicherlich darauf zurückzuführen.
Wie wichtig war Mut für deinen unternehmerischen Weg?
Khadem Hossini:
Mut ist essenziell. Ohne Mut gibt es kein Unternehmertum. Stillstand war für mich nie eine Option.
Als die Pandemie begann, haben mich viele gefragt, wie es jetzt weitergehen soll. Meine Antwort war: Wir entwickeln unbeirrt weiter. Genau das haben wir getan. Als die Nachfrage zurückkam, hatten wir bereits neue Produkte in der Pipeline und konnten davon profitieren.
Auch heute sind die Zeiten nicht einfach. Aber gerade dann muss man mutig bleiben, neue Wege gehen und das Unternehmen weiterentwickeln.
Genau das macht für mich übrigens auch die Trends Up West aus. Dort trifft man auf Menschen, die Ideen haben und kreativ sind. Dieser Austausch mit Gleichgesinnten ist unglaublich inspirierend.
Interview mit Khadem Hossini, Gründer von chic.mic, und seiner Tochter Sarah Hossini, seit 2019 im Unternehmen und heute Prokuristin